Zielfernrohr

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Blick durch das Zielfernrohr

Ein Zielfernrohr ist ein Fernrohr mit einer in die Optik integrierten Zieleinrichtung. Zielfernrohre werden bei Messgeräten und bei Schusswaffen zur genauen Ausrichtung auf ein entferntes Ziel benötigt. Die Zieleinrichtung wird Absehen genannt.

Grundsätzlich sind die Zielfernrohre nach ihrer Bauart Kepler-Fernrohre. Bei modernen Messgeräten und bei Zielfernrohren für Schusswaffen wird eine Umkehrlinse oder ein Umkehrlinsensystem eingebaut, damit ein aufrechtes Bild entsteht.

Zielfernrohre werden als geschlossene Visierung bezeichnet. Im Gegensatz dazu ist die aus Kimme und Korn bestehende Visierung eine offene Visierung. Beim Zielfernrohr werden Absehen und Ziel für das Auge scharf und vergrößert abgebildet. Dagegen kann das Auge bei einer offenen Visierung wegen der unterschiedlichen Entfernung von Kimme, Korn und Ziel zum Auge nur schwer auf alle drei Punkte gleichzeitig fokussieren.

Die klassische Form des Absehens ist das Fadenkreuz. Dazu wurden in der Bildebene des Objektives zwei Fäden aus einem Spinnennetz senkrecht zu einander gespannt. Heute wird das Absehen auf Glas geätzt. Damit können auch zusätzliche Markierungen angebracht werden, die insbesondere für die Entfernungsschätzung (z. B. Reichenbachsche Distanzfäden) nutzbar sind. Heute sind auch Absehen verfügbar, die durch Tageslicht oder durch elektrische Einrichtung beleuchtet werden.

Prinzipieller Aufbau

Allen Zielfernrohren gemeinsam sind folgende Elemente:

  • Ein röhrenförmiger Körper,
    Aufbau des Zielfernrohres einer Jagdwaffe
    der Tubus, welcher die optischen Elemente aufnimmt.
  • Ein Objektiv, durch welches das Licht einfällt.
  • Ein Absehen, das zur Justierung nach oben und unten sowie zur Seite verstellbar ist
  • ein Okular zur Betrachtung des Bildes und zur Scharfeinstellung auf die Bildebene
  • eine Montage zur reproduzierbaren Ausrichtung gegenüber dem Messgerät oder der Schusswaffe

Zusätzlich haben Zielfernrohre noch je nach Verwendungszweck

  • eine Umkehrlinse oder ein Umkehrlinsensystem zur Aufrichtung des Bildes
  • eine Beleuchtungseinrichtung oder ein beleuchtetes Absehen für den Einsatz bei schlechten Lichtbedingungen
  • eine Scharfeinstellung für variable Zielentfernungen
  • eine Libelle zur horizontalen Ausrichtung vor allem bei Nivellieren
  • variable Vergrößerung
  • entfernungsabhängige Abseheneinstellung
  • veränderliche Absehen zur Entfernungsmessung bei Tachymetern
  • Sehfeldblenden zur Begrenzung des Bildes auf Strahlen nahe der optischen Achse und damit zur Begrenzung des Parallaxenfehlers


Verwendung mit Schusswaffen

Zielfernrohr auf Schusswaffe mit Schwenkmontage zum Abnehmen

Zielfernrohre für Schusswaffen werden zweckbestimmt konstruiert: Je nach Situation und Einsatzzweck sind sowohl die Schussentfernung als auch die Größe, die Form, die Bewegungsgeschwindigkeit oder der Hintergrundkontrast des Zieles für die Auslegung bestimmend.

Das Zielfernrohr gibt dem Schützen eine geradlinige Visierlinie. Dagegen fliegt das Geschoss, abhängig von seiner Rasanz auf einer parabolischen Flugbahn. Beide Kurven schneiden sich an zwei Punkten, die vom Schützen je nach Einsatzzweck wählbar sind und wovon der zweite Punkt günstigste Einschussentfernung (GEE) genannt wird. Der Schütze stellt das Absehen des Fernrohres meist auf die Entfernung des zweiten Schnittpunktes oder einen Wert zwischen den beiden Punkten ein. Typische Einschussentfernungen für die Jagd liegen oberhalb 100 m.

Das Zielfernrohr muss gegenüber dem Lauf der Schusswaffe derart justiert sein, dass bei jedem Schuss die gleiche Ausrichtung gewährleistet ist. Diese mechanische Vorrichtung zur Befestigung des Zielfernrohrs an der Waffe wird Montage genannt.

Die Montage ist je nach Ausführung so, dass das Zielfernrohr fest oder abnehmbar mit der Waffe verbunden ist.

Für die Verwendung bei wenig Tageslicht oder bei Nacht werden Zielfernrohre mit großer Eintrittspupille (Objektivdurchmesser) bevorzugt, obwohl das Gewicht mit dem Objektivdurchmesser wächst. Bei Nacht werden auch die Leuchtabsehen verwendet. Gute Zielfernrohre haben eine vergütete Optik. Dabei werden auf die Glasflächen extrem dünne reflexmindernde Beläge dauerhaft in vielen Schichten aufgedampft. Die Reflexminderung minimiert die Lichtverluste an der Übergangsschicht zwischen Gas (z. B. Luft) und Glas. Dadurch werden Lichttransmissionswerte (Lichtdurchlässigkeitswerte) von über 99,5 Prozent an einer Übergangsschicht erreicht.


Siehe auch

Theodolit, Nivelliergerät, Scharfschütze, Kimme und Korn