Vorderlader

Aus WaffenWiki
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Prinzip des Vorderladers:
1. Kugel
2. Pulverladung
3. Zündloch

Der Vorderlader ist die ursprüngliche Form der Feuerwaffe. Ein typischerweise glatter Lauf wird mit Treibladung und Projektil durch die Mündung geladen. Das hintere Laufende ist dabei fest verschlossen und verfügt nur über ein relativ kleines Zündloch, durch das ein mittels Lunte (Luntenschloss), Feuerstein (Steinschloss), Radschloss oder Zündhütchen (Perkussionswaffe) erzeugter Funke oder Feuerstrahl die Treibladung zündet. Vorderladerfeuerwaffen werden klassisch mit Schwarzpulver und einem Bleigeschoss geladen. Dazu kommt oft noch ein Schusspflaster zur Abdichtung.







Gezogene Läufe bei Vorderladern

Bereits im 15. Jahrhundert erkannte man, dass ein rotierendes Geschoss stabiler fliegt. So wurden bald Züge und Felder entwickelt, welche spiralförmig durch den Lauf verliefen und dem Geschoss eine Rotation um seine Längsachse, den sog. (Drall) mitgaben, die das Geschoss stabilisierte und die Genauigkeit bedeutend verbesserte. Auch die Reichweite der Geschosse wurde damit erheblich vergrößert.


Das Laden eines Vorderladers mit gezogenem Lauf ist schwieriger, da das hierfür benötigte passgenaue Geschoss von der Mündung her den ganzen Lauf hinuntergestoßen werden muss. Zunächst wurden daher Rundkugeln mit gefetteten Schusspflastern verwendet. Die Pflaster fungieren dabei als Dichtung und pressen sich beim Schuss in die Züge des Laufes, wodurch der Drall auf das Geschoss übertragen wird. Dabei blieb jedoch eine erhebliche Menge an Abrieb in den Zügen des Laufes, was bei somit variierendem Laufdurchmesser ungenauigkeiten beim Schuss zur Folge hatte. Da das Laden zudem noch relativ viel Zeit und Aufmerksamkeit in Anspruch nahm, benutzten lange Zeit nur Jäger und Scharfschützen gezogene Vorderladerwaffen. Im militärischen Bereich blieb die glattrohrige Muskete trotz ihrer Ungenauigkeit und geringerer Reichweite erste Wahl. Ausschlaggebend war hierbei hauptsächlich die höhere Schussfrequenz. Zugleich wurde aber nach Möglichkeiten gesucht, Waffen mit gezogenen Läufen schneller laden zu können.


System Delvigne mit verkleinerter Pulverkammer

Henri Gustave Delvigne, ein französischer Offizier, war der erste, der versuchte, das Gewehr mit gezogenem Lauf zu einer Waffe zu entwickeln, die für die gesamte Infanterie geeignet war. Er erkannte als erster, dass das Geschoss nach dem Laden in den Lauf seine Form ändern musste und entwickelte eine verkleinerte Pulverkammer, auf der das zu dieser Zeit übliche runde Geschoss auflag und mit mehreren kräftigen Stößen so in eine elliptische Form verbreitert wurde, dass es den Zügen folgte. Das somit verformte Geschoss veränderte zwar bereits nach dem Abschuss die Flugbahn auf Kosten der Genauigkeit, zeigte aber dennoch erfolgversprechende Eigenschaften auf.



Dorngewehr System Thouvenin

Louis Etienne de Thouvenin griff dieses Prinzip auf. Er hatte die Idee, das unterkalibrige (d. h. minimal kleiner als der Laufdurchmesser) Langgeschoss auf einem Dorn in der Schwanzschraube des Laufes durch kräftige Stöße mit dem Ladestock so zu erweitern, dass es sich beim Schuss in die Züge presste. Es wurden nunmehr keine runden Kugeln mehr verwendet und das Pulver lag um den Dorn herum. Das System hatte den Vorteil, dass man die Gewehre leicht umrüsten konnte, indem man nur die Schwanzschraube ersetzte. Das System hatte aber auch Nachteile: Es musste sehr viel Kraft aufgewendet werden, um das Geschoss auf dem Dorn zu erweitern, und die Reinigung um den Dorn herum erwies sich als äußerst schwierig. Auch war der Dorn fehleranfällig und konnte brechen. Trotzdem funktionierte dieses System beeindruckend gut, so dass die Französischen Jäger 1846 damit ausgerüstet wurden.


Minié-Geschoss mit Culot vor/nach dem Abschuss

1849 wenig später also, wurde mit dem Minié-Geschoss das Problem von Hauptmann Claude F. Minié elegant gelöst. Das Geschoss war zylindrisch, mit einer konischen oder runden Spitze und leicht unterkalibrig, so dass es sich verhältnissmäßig leicht laden ließ. Der Boden des Geschosses wies eine kleine Mulde auf, welche eine kleine Eisentasse ("Culot") enthielt; diese sorgte dafür, dass sich das Geschoss beim Schuss etwas verbreiterte und in die Züge griff. Diese kleine Änderung vervielfachte die mögliche Kampfentfernung und hatte einen großen Einfluss auf die Kriegsführung.





Im Jahre 1852 erfanden ein englischer Geschützfabrikant, Henry Wilkinson, und ein österreichischer Artillerieoffizier, Hauptmann Lorenz, gleichzeitig, aber unabhängig voneinander, eine weitere Methode, den Durchmesser eines lose passenden Langgeschosses durch die Kraft der Entzündung so zu vergrößern, dass es fest im Lauf saß und den Zügen folgte. Das sog. Kompressionsgeschoss besitzt eine schwere Spitze und einen längeren Geschosskorpus, welcher mit zwei bis drei tiefen seitlichen Rillen versehen war. Beim Schuss wurde aufgrund des Explosionsdruckes und der Massenträgheit der hintere Teil des Geschosses schneller beschleunigt als die Spitze, wodurch es sich an den Rillen Komprimierte was wiederung zu einer Verbreiterung des Durchmessers bis zur Laufwand führt. In Folge dessen wurde das Projektil in die Felder und Züge gepresst und von ihnen geführt.