Unterhebelrepetierer

Aus WaffenWiki
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Marlin Unterhebelrepetierer
Winchester Unterhebelrepetierer

Der Ausdruck Unterhebelrepetierer (eng. Lever-Action / Lever = Hebel und Action = Bewegung) entspringt dem Repetiervorgang bei dieser Art von Waffe. Der charakteristische Repetierhebel ist unter der Waffe angebracht und durch eine halbkreisförmige Bewegung nach unten und vorne, wird diese Waffe repetiert. Dabei gleitet der Verschluss nach hinten, die abgeschossene Patronenhülse wird ausgeworfen und während man den Hebel wieder zurück zur Waffe zieht, wird mittels des Ladelöffels eine neue Patrone vor das Patronenlager gehoben, damit der nach vorn gleitende Verschluss, diese dann in das Patronenlager zuführen kann. Ist der Hebel geschlossen, kann der Unterhebelrepetierer wieder abgeschossen werden.

Ein UHR (übliche Abkürzung für Unterhebelrepetierer im deutschen Sprachgebrauch) besitzt meist ein Röhrenmagazin, aus dem die Patronen durch Federdruck, auf den Ladelöffel geschoben werden. Röhrenmagazine werden meist mittels einer Ladeklappe, die sich im Systemkasten findet, geladen. Man schiebt Patrone für Patrone, mit dem Geschoss voran, durch die Ladeklappe in das Röhrenmagazin, welches sich unter dem Lauf befindet.

Ausnahmen bilden hier die Henry Modell 1860 und alle Kleinkaliber-UHRs, die direkt von vorn geladen werden. Die Patronen lässt man vorsichtig in das Röhrenmagazin rutschen, damit eine Reihenfeuerzündung vermieden wird. Aber auch hier wird mittels Federdruck, die Patronen in Richtung Ladelöffel geschoben.

Eine weitere Abart sind Kastenmagazine, in denen auch Patronen mit Spitzgeschossen verladen werden können. Klassisches Beispiel hierfür ist die Winchester Modell 1895. Die Patronen werden, wie im normalen Repetierer, von oben in das Magazin gedrückt. Dies ist aber nur bei Patronen mit Spitzgeschossen nötig, denn normale UHRs werden nur mit Flachkopfgeschosspatronen geschossen. Das verhindert eine Reihenfeuerzündung, weil durch die Erschütterungen beim Schießen, die Zündhütchen nicht beschädigt werden können. Dies ist die oberste Sicherheitsregel beim Unterhebelrepetierer, niemals Munition mit Spitzgeschossen verwenden.

Geschichte

Auch wenn Hollywoods Film-Traumfabriken uns etwas anderes glauben lassen wollen, der UHR ist nicht das Gewehr, das den „Wilden Westen“ erobert hat. Auch wenn UHRs schon im amerikanischen Bürgerkrieg (1861 - 1865) eine kleine Rolle spielten, so konnten sich doch die wenigsten solch eine Waffe leisten. 1878 kostete z.B. ein Modell 1866 20$ und ein 76er Jagdgewehr sogar 35$, wobei ein Cowboy damals nur ca. 30$ im Monat verdiente.

Auch die Leistung der Munition für die Gewehre war noch nicht besonders hoch, so dass die meisten Trapper, Jäger, Cowboys und Siedler immer noch einschüssige Vorder- oder Hinterlader in starken Kalibern bevorzugten. Erst als 1878 die Firma Colt ihren Revolver 1873 SAA im Kaliber .44-40 herausbrachte, begann auch der Siegeszug des UHR. 1873 kam Winchesters Modell 1873 in diesem Kaliber auf den Markt und die wenigsten Cowboys wollten mehrere Munitionssorten mit sich herumschleppen, aber als es nun möglich war, ein und dasselbe Kaliber aus Revolver und Gewehr zu verschießen, war dies ein enormer Kaufanreiz.

Der erste, weiter verbreitete UHR entstand aus einer Vorlage der Volcanic-Pistolen, die von Smith & Wesson hergestellt wurden. Es war das Modell Henry M1860, das bei der Firma Winchester gebaut wurde und nach seinem Konstrukteur Benjamin Henry Tyler benannt wurde.

Aber es gab auch schon Vorläufer und Konkurrenten:

  • Hunt (1847-49)
  • Jennings (1848-49)
  • Smith&Wesson (1854-55)
  • Volcanic (1855-57)
  • Spencer (1860-60)
  • Evans (1873-79)
  • Whitney (1879-88)
  • Marlin (seit 1881)
  • Colt (1883-85)
  • Bullard (1886-90)
  • Savage (1899-1999)

Synonym für Unterhebelrepetierer ist der Name Winchester. Auch dies eine „Erfindung“ der Filmindustrie. Sicher hat die Fa. Winchester, die meisten UHRs hergestellt und verkauft. Der zweitgrößte Hersteller ist lange Zeit die Fa. Marlin gewesen, die aber mittlerweile die Firma Winchester überholt hat und Weltweit die Nr. 1 ist. Bekanntestes Modell ist wohl die Marlin 1894 Cowboy.

Da nur noch der Name Winchester geblieben ist (die Gewehre werden von der Fa. U.S.Repeating Arms gefertigt und unter dem Namen Winchester vertrieben), ist Marlin Firearms, als einzige Firma übergeblieben, die noch heute unter ihrem eigenem Namen Gewehre fertigt und verkauft.

Literatur

  • Visier Special Nr. 30 / Schießen mit Westernwaffen
  • Visier Special Nr. 36 / Schießen mit Unterhebelrepetierern

Weblinks