Revolver

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Ein Revolver ist eine mehrlade Pistole, und damit eine Kurzwaffe mit einem einzigen Griff, welcher von der Schusshand umschlossen wird. Dabei sind die Patronen oder Ladungen bei einem Revolver in einer Vorrichtung angebracht, welcher durch eine Drehbewegung in Abschussposition gebracht werden. Die heute häufigste Form des Revolvers ist der Trommelrevolver.

Varianten

Trommelrevolver: Bei diesen Revolvern sind die Patronen oder Ladungen in einer, zur Laufseele hin rotierenden, Trommel untergebracht. Bei der Schussfolge wird diese Trommel gedreht und so eine jeweils frische Patrone oder Ladung vor den Lauf gebracht. Die Trommel fungiert dabei als Kammer.

Bündelrevolver: Dieser Typ verfügt über mehrere kreisförmig angebrachte Läufe, von denen jeder eine Patrone oder Ladung trägt. Bei der Schussfolge werden diese Läufe gedreht. Nach jedem Schuss wird eine weiter Lauf mit frischer Ladung in Abschussposition gebracht.

Scheibenrevolver: Englisch "Turret Revolver" tragen ihre Patronen oder Ladungen in einer Scheibe, welche nach dem Schuss auf einer Achse vertikal zur Laufachse rotieren. Auf diese Weise werden frische Patronen oder Ladungen vor den Lauf gebracht. Die Scheibe dient dabei als Kammer.

Kettenrevolver: Dieser Revolver-Typ trägt vorbeireitete Ladungen oder Patronen in Kammern, welche zu einer runden Ketten verbunden sind. Während der Schussfolge werden diese Glieder nach und nach vor den Lauf gebracht.

Magazin Revolver: einige Revolver besitzen einen zusätzlichen Patronenvorart in einem Magazin, jedoch werden diese Patronen nicht wie bei einer Selbstladepistole in eine Patronenkammer geladen, sondern in die Revolvertrommel oder Kette eingeführt.

Mechanik

Es gibt grundlegend vier verschiedene Versionen von Abzugsmechanismen bei Revolvern.

Einzelabzug (Single Action) Revolver, müssen nach dem Abfeuern jedes einzelnen Schusses von Hand am Hahn gespannt werden. Meist wird dabei die Rotation der Mehrladeeinrichtung mit übernommen.

Spannabzug (Double-Action) Revolver, hier kann das Spannen des Hahns und die Rotation der Mehrladeeinrichtung über den Abzug der Pistole erledigt werden. Was jedoch mit einem höheren Abzungsweg und Abzungswiderstand eingeht geht. Spannabzugsrevolver können auch per Hand Gespannt werden, und so wie Einzelabzugsrevolver benutzt werden. Abzungsweg und Abzungswiderstand sinken beim Vorspannen meist erheblich.

DAO (Double-Action Only) Revolver, sind mit Sappabzugrevolver identisch, nur fehlt die Möglichkeit diese von Hand Vorzuspannen.

Automatik Revolver, diese Revolver sind in der Lage das Stannen des Hahns und die Rotation der Mehrladeeinrichtung über einen Automatik, meist rückstoßladend, zu erledigen.

Geschichte

Fälschlicherweise wird oft Samuel Colt als Erfinder des Revolvers bezeichnet, es gab jedoch schon weit vor ihm Experimente mit ähnlichem Funktionsprinzip. Schon im 18. Jahrhundert gab es Steinschlossvarianten einer revolverähnlichen Schusswaffe, aber diesen Forschungen waren bald Grenzen gesetzt. Erst nach der Jahrhundertwende zum 19. Jahrhundert und mit der Erfindung des Zündhütchens konnten mehrschüssige Waffen weiter entwickelt werden. Das größte Problem war, die Trommel exakt ausgerichtet vor den Lauf zu bringen. Bei den frühen Versuchen gab es sehr viele Rückschläge in Form von Quasi-Rohrkrepierern. Eine erste funktionierende Entwicklungsstufe war der Bündelrevolver (auch Pepperbox genannt). Hier wurde auf eine einläufige Konstruktion verzichtet, es wurden einfach 6 oder 8 Läufe zusammengefasst. Dies ging jedoch auf Kosten von Gewicht und Handlichkeit.

Im Jahre 1834 fuhr Samuel Colt per Schiff von England in die USA zurück. Er beobachtete, wie der Steuermann sein Ruder mit Hilfe eines Holzbolzens von unten arretierte. Somit blieb das Ruder gerade und das Schiff auf Kurs. Colt war von dieser Mechanik begeistert und schnitzte sofort ein Modell seiner Idee. Noch im selben Jahr ließ er vom Waffenschmied Patterson ein Modell anfertigen. Das Colt-Patterson-Modell war geboren. 1836 bekam Colt sein Patent und somit war es möglich die ersten funktionierenden und sicheren Colt- Modelle zu entwickeln. Die Errungenschaft bestand lediglich in einem kleinen Metallbolzen, der in eine Aussparung an der Trommel einrastet und somit eine sichere Arretierung der Trommel vor dem Lauf ermöglicht. Somit begann die Ära der Perkussionsrevolver:

Perkussionsrevolver

Ein Perkussionsrevolver ist nichts anderes als eine Vorderlader-Waffe. Die Trommel ist nach vorne hin geöffnet um Schießpulver und ein Projektil aufzunehmen. Hinten hat die Trommel einen Piston, der das Zündhütchen aufnimmt. Die Trommel kann mit Hilfe eines Ladehebels (Laderamme) geladen werden. Ursprünglich wurde der Revolver mit Rundkugel geladen, es setzten sich aber bald auch die heute übliche Projektilform durch. Um die Revolver schneller laden zu können wurden Patronen aus Papier vorgefertigt. Diese machte sich der Schütze selber oder konnte sie sogar kaufen.

Zwischen 1850 und 1870 gab es eine Fülle an Herstellern von Perkussionsrevolvern.

Patronenrevolver

Als Anfang der 1870er Jahre die industriell gefertigte Messingpatrone ihren Siegeszug begann, wurden auch die Revolver dafür umgerüstet. Die ersten Umbauten (sogenannte Conversions) waren noch selbst entworfene Patente wie ein Perkussionsrevoler zu einem Patronenrevolver umgebaut werden konnten. Bald aber kamen doch einige Modelle auf den Markt, die auf die damals üblichen Patronen abgestimmt waren. Zu Beginn hatte sich der Markt noch nicht wirklich auf ein System geeinigt.

Es gab Stiftfeuerrevolver wie z. B. den Lefaucheux Revolver. Die Treibladung wurde mittels einer Zündladung gezündet, diese wiederum wurde von einem Stift gezündet, der außen am Hülsenrand sitz. Der Hahn schlug von oben auf den Stift, trieb diesen in die Zündladung usw. Das problematische an diesen Waffen war, dass jede Patrone genauestens in die Trommel eingelegt werden musste und zwar mit dem Stift in eine Aussparung in der Trommelkammer. (Siehe auch Lefaucheux-Zündung)

Dann kamen die Randfeuerpatronen, welche ursprünglich für Unterhebelrepetiergewehre verwendet wurden. (Vergl. Henry Rifle oder Winchester). Smith & Wesson hatte mit dem Modell No 1 bis 3 das Rim-Fire System im Einsatz. Hier wurde im unteren Rand der Patrone Knallquecksilber eingearbeitet; schlug der Hahn auf den Rand der Patrone konnte die Treibladung gezündet werden.

Schließlich und endlich konnte sich dann die Zentralfeuerpatrone (vergl. Zentralfeuerzündung) durchsetzten. Hier war mittig im Patronenboden ein Zündhütchen eingearbeitet. Der Hahn schlug mit einem Dorn auf das Zündhütchen, welches die Treibladung zündetet.


Ab diesem Zeitpunkt konnte man von einem modernen Revolver sprechen, der sich eigentlich seit der Jahrhundertwende vom 19. auf das 20. Jahrhundert kaum mehr verändert hat. Der wesentliche Unterschied liegt in der Form der Lademöglichkeit. Mussten bei den älteren Modellen die Patronen noch einzeln seitlich durch eine Ladekammer geladen und entladen werden, kamen später Kipplaufmodelle auf den Markt. Letztendlich etablierte sich die ausschwenkbare Trommel, welche ein wesentlich schnelleres Be- und Entladen ermöglichte. Das Nachladen erfolgt von Hand entweder einzeln oder mittels vorkonfektionierten Bündelpackungen, den so genannten „Speedloadern“, die nach dem Auswerfen der leeren Patronen sechs oder mehr Patronen gleichzeitig in die leeren Kammern drücken und somit eine wesentlich schnellere Schussfolge gewährleisten. Speedloader verwenden u. a. Polizei und Sicherheitsdienste.

Double-Action Revolver mit ausschwenkbarer Trommel

Besonderheiten

In der Trommel sind im Regelfall sechs Patronen untergebracht, was dieser Waffenart den Spitznamen „sixgun“ bzw. „Sechsschüsser“ einbrachte. Es gibt aber auch fünf-, sieben- und achtschüssige Modelle (z. B. der leichte Smith & Wesson AirLite) oder auch Modelle wie der neunschüssige LeMat-Revolver, der außerdem in der Mitte eine Schrotladung abfeuern konnte. Auch gab es frühe Modelle mit einem einklappbaren Messer bzw. Stilett.

Andere Waffen auf dem Revolver-Prinzip

Das „Revolver-Prinzip“ findet auch im Bereich der Maschinengewehre bzw. der Maschinenkanonen Anwendung. Bei der 1862 patentierten nach ihrem Erfinder Richard Jordan Gatling benannten "Gatling-Gun" dreht sich ein Laufbündel inklusive Verschlüsse kontinuierlich um eine gemeinsame Achse. Der hintere Teil des Systems liegt in einer feststehenden Hülse mit einer Handkurbel zum Antrieb. Kurvenförmige Einfräsungen im zylindrischen Teil der Hülse öffnen und schließen die Verschlüsse im Laufe einer Rotation. Oben wird die Patrone zugeführt und unten der Schuss ausgelöst. Der kontinuierliche Ladevorgang erlaubt hohe Kadenzen bis 1200 Schuss/Min, zudem überhitzen die Läufe weniger als bei Einzellaufwaffen. Die handbetriebenen Gatling-Guns wurden Ende des 19. Jahrhunderts von den automatischen Maschinengewehren verdrängt.

Siehe auch

Weblinks

Vorlage:Commons


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