Rückdrucklader

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Ein Rückdrucklader ist ein Ladeprinzip bei automatischen Feuerwaffen, welches für den Ladevorgang die Energie der Gasdrucksäule verwendet, welche sich im Lauf zwischen Patronenhülse und Geschossboden aufbaut. Gut zu erkennen sind Rückdrucklader daran, dass die Öffnungsbewegung des Verschlusses direkt nach dem ein Eintritt des Geschosses in den Übergangskonus beginnt.

Rückdrucklader werden oft fälschlicherweise zu den Rückstoßladern gezählt. Im Unterschied zu diesen wird bei einem Rückdrucklader jedoch nicht der Rückstoßimpuls für den Ladevorgang verwendet.

Rückdrucklader verwenden folgende Verschlussprinzipien:

  • Reibungsbelasteter Verschluss, der Verschluss wird durch Reibung abgebremst, erst nach Überwindung des Reibungswiderstandes, kann sich der Verschluss vollständig öffnen.
  • Federbelasteter Verschluss, der Verschluss besitzt Elemente, welche mit Federkraft in den Schildzapfen gedrückt werden. Erst wenn diese in den Verschluss zurückgedrückt wurden, kann sich der Verschluss vollständig öffnen.
  • Gasbelasteter Verschluss oder Gasgebremster Verschluss, ein Teil der sich im Lauf aufstauenden Gase wird durch eine Gasentnahmebohrung entnommen und wirkt auf einen Kolben. Dieser Kolben wirkt der Öffnungsbewegung des Verschlusses entgegen, da dieser Kolben jedoch einen geringeren Stirnflächendurchmesser hat als das Kaliber des Laufes, ist die Öffnungskraft des Rückdrucks stärker. Die Öffnungsbewegung wird jedoch stark verlangsamt. zb. H&K P7
  • Übersetzte Verschlüsse oder Beschleunigte Verschlüsse, der Verschlusskopf schleudert die Verschlussmasse über ein Winkelgetriebe ab.
  • Hebelübersetzter Verschluss oder Hebelbeschleunigter Verschluss, der Verschluss übersetzt einen Teil seiner Bewegung mittels Hebel auf eine großere Verschlussmasse und verlangsamt so die Öffnungsbewegung. zB. Famas, Danuvia 1939M
  • Rollenübersetzter Verschluss oder Rollenbeschleunigter Verschluss, der Verschluss übersetzt einen Teil seiner Bewegung mittels Rollen auf eine großere Verschlussmasse und verlangsamt so die Öffnungsbewegung. zB. MP5, G3
  • Rotationsnasenübersetzter Verschluss oder Rotationsnasenbeschleunigter Verschluss, der Verschluss übersetzt einen Teil seiner Bewegung mittels Rotationsnasen und verlangsamt so die Öffnungsbewegung. zB. CMMG Banshee
  • Zwischenverriegelter Verschluss, der Verschluss läuft frei nach hinten, jedoch wird der Verschlusskopf von einem formschlüssigen Element gestoppt, bevor die Patronenhülse über die Sicherheitsstecke hinaus ausgezogen werden kann. Der Verschlussträger läuft jedoch weiter zurück und betätigt während seines Rücklaufes den Rücklaufunterbrecher, dieser hebt die formschlüssige Zwischenverriegelung des Verschlusskopfes auf. Verschlusskopf und Verschlussträger laufen gemeinsam zurück, da der Druck im Lauf zwischenzeitlich auf ein ungefährliches Niveau abgesunken ist, kann die Patronenhülse nun vollständig ausgezogen werden. z.B. MKMO
  • Gasverzögerter Verschluss, der Verschluss möchte sich durch den Rückdruck öffnen, kann dies aber nicht, da sich ein Gaskolben mit Gas gefüllt hat und den Verschluss an der Öffnungsbewegung hindert. Erst wenn der Gasdruck im Lauf auf ein ungefährliches Niveau abgesunken ist, sinkt auch der Druck im Gaskolben und der Verschluss kann durch den Restgasdruck öffnen. zB. Volkssturmgewehr Gustloff.
  • Zündhütchen Kolben, je nach Ansicht werden auch Waffen mit beweglichem Zündhütchen zu den Rückdruckladern gezählt. Der Rückdruck drückt auf den Verschluss, dieser kann sich jedoch nicht bewegen, da dieser Formschlüssig verriegelt ist. Erst wenn der Rückdruck das Zündhütchen aus der Patronenhülse herausdrückt, betätigt dieses über den Zündstift Elemente wie Steuerkurven oder Steurkulissen welche den Verschluss entriegelt. Zwischenzeitlich ist der Gasdruck im Lauf auf ein ungefährliches Niveau abgesunken und der Verschluss kann angetrieben durch den Restgasdruck nach hinten laufen.

Das Rückdrucklader oft fälschlicherweise als Rückstoßlader bezeichnet werden kommt daher, dass Heinz Dathan in seinem privaten Werk Waffenlehre für die Bundeswehr (1972) beide Systeme durcheinander brachte und viele populärwissenschaftliche Werke dieses Schema unkritisch übernahmen. Aktuell sind solche Verwechslungen ein deutliches Anzeichen für den Gunning-Kruger-Effekt.

Ja nach Ansicht zählt eine weitere Gruppe von Waffen zu den Rückdruck- oder Druckladern. Bei diesen steht der Stoßboden fest und der Lauf bewegt sich für den Ladevorgang nach vorne. Dies geschieht zum einen durch die Drucksäule, welche sich zwischen Patronenhülse und Geschossboden bildet und zum anderen durch die Reibungskräfte, welche zwischen dem Geschossmantel und den Feldern des Laufes auftreten. Der Lauf wird nach vorne getrieben, bei unverriegelten Systeme dieser Art handelt es sich um Masseverschlüsse die Masse stellt in diesem Fall der Lauf. Je nach Ansicht werden diese Systeme nicht mit zu den Rückdruckladern gezählt, sondern Vordrucklader genannt.

Quellen