Perkussionsrevolver

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Zusammengesetzt aus den Worten Perkussion (von lat.: percussio = Erschütterung) und Revolver (engl.: to revolve; lat.: revolvere weiterdrehen). Als Perkussionsrevolver wird das Bindeglied zwischen den ersten Versuchen einer mehrschüssigen Faustfeuerwaffe und dem Patronenrevolver bezeichnet, wobei die Treibladung durch die Verwendung eines Zündhütchens gezündet wird. (Vergl. Perkussionsschloss)

Definition

Als Perkussionsrevolver werden jene Revolver bezeichnet, welche vergleichbar mit Vorderladerwaffen von vorne geladen werden, also gänzlich auf fertige Patronen verzichten. Im Gegensatz zu klassischen Vorderladerwaffen die durch den Lauf geladen werden, erfolgt das Laden hier direkt in die Trommelkammer. Die Zündung erfolgt durch ein Zündhütchen, welches hinten am Piston aufgesetzt wird.

Es ist nicht vorgeschrieben, wie viele Ladungskammern ein Perkussionsrevolver haben muss, diese reichen von 5 bis 9 Stück. Auch gab es diese Waffen in einer Vielfalt von Kalibern: beginnend mit Kal. 31 bis 44.

Handhabung

Bei der Inbetriebnahme eines Perkussionsrevolvers sollte man zu erst, nur Zündhütchen auf die Pistone setzten und diese alle abfeuern. Somit ist sichergestellt, dass sich kein Öl oder Feuchtigkeit in der Pulverkammer befindet. Dann richtet man die Waffe mit dem Lauf nach oben und füllt in die Pulverkammer eine abgemessene Menge an Schwarzpulver ein. Die Menge ist je nach Kaliber und Waffengröße verschieden. Dann wird ein Blättchen aus Filz oder Papier (bzw. ähnliches Material wie z. B. Stoff, etc.) auf das Pulver gelegt. Diese Einlage verhindert, dass das Fett von der Kugel das Pulver unbrauchbar macht. (Die Kugeln waren meist eingefettet um sie A. leichter laden zu können und B. einen sicheren Verschuss zu gewährleisten) Im nächsten Schritt wird dann das Geschoss (Projektil) in die Kammer eingeführt. Da das Projektil minimal größer ist als die Kammer wird dieses nun fest in die Ladungskammer reingepresst – das erfolgt meistens mit einer direkt am Revolver angebrachten Laderamme. Dazu wird die Trommel dorthin gedreht, wo sich die Laderamme befindet (Bei Colt Modellen unter dem Lauf), dann wir der Hebel der Ramme gelöst und nach unten gedrückt. Ein passgenauer Bolzen drückt dann, das Projektil in die Kammer und presst es auf das Pulver, das somit verdichtet wird.

Nachdem alle Kammern geladen wurden werden anschließend die Zündhütchen auf den Piston aufgesteckt – nun ist die Waffe feuerbereit.

Nach dem Schuss mussten die verbrauchten Zündhütchen vom Piston entfernt werden, die Ladungskammern grob gereinigt und der Ladevorgang konnte wieder von vorne beginnen.

Da das Laden relativ lange dauert, schufen sich viele Leute eine zweite oder dritte Trommel an. (Vor allem im Sezessionskrieg wurde das oft von Offizieren getan) Diese wurde vorgeladen. War eine Trommel leergeschossen wurde einfach die leere Trommel durch eine geladene ersetz. Sehr einfach ging das bei fast sämtlichen Colt Revolvern aus dieser Zeit und dem Remington New Model Army.

Um ein schnelleres Laden zu sichern wurden auch recht bald Papierpatronen verwendet. Diese waren fertig vorkonfektionierte Papierhülsen die das Projektil und die Pulverladung beinhalteten. Zum Laden wurde das Papier aufgerissen, das Pulver wurde in die Kammer geschüttet, das Paper wurde gleich als Zwischenlage verwendet und dann wurde das Projektil eingesetzt. Der Rest folgt wie oben beschrieben.

Geschichte

Schon lange vor der Erfindung bzw. Einführung von Perkussionsrevolvern wurde an mehrschüssigen Waffen gearbeitet. Schon Ende des 17. Jahrhunderts gab es Revolver die nach dem Steinschloss bzw. Schnapphahn Prinzip gezündet wurden. Hier fehlte aber oft noch die Dreh-Mechanik, so musste die Trommel von Hand weitergedreht werden. Diese Vorhaben wurden bald aufgegeben.

Erst mit dem beginnenden 19. Jahrhundert und der Erfindung des Zündhütchens, gewann diese Idee wieder an Stellenwert. Es wurde wieder rasch weiter geforscht. Das größte Problem zu dieser Zeit war die Herausforderung, dass die geladene Trommelkammer, exakt vor dem Lauf zum stehen kommt. Auch musste diese so dicht wie möglich mit dem Lauf abschließen. Hier gab es zahlreiche Versuche und Patente, die sich aber nicht als funktional herausstellten. Der erste Meilenstein war der Bündelrevolver auch liebevoll „Pepperpox“ genannt. Dieser bestand aus mehreren Läufen um eine Achse – somit wurde das Problem der Ausrichtung umgangen. Diese Waffen waren jedoch schwer und unhandlich. (Teilweise mussten auch hier die Läufe von Hand weiter gedreht werden)

Erst Samuel Colt ließ sich 1836 einen kleinen Metallbolzen patentieren. Dieser Bolzen wurde durch ein Hebelsystem beim Spannen des Abzuges runter gedrückt, die Trommel konnte frei rotieren. Hatte die Trommel die Endposition erreicht (und der Hammer war vollständig gespannt) rastete dieser Bolzen mittels Federdruck in eine Aussparung unten an der Trommel ein. Dadurch wurde die Trommel fest vor dem Lauf arretiert.

Dieses Patent machte erst die Massenproduktion von Perkussionsrevolvern möglich. Die Idee dazu hatte Colt, als er 1834 mit einem Segelschiff von England in die USA zurückkehrte. Er beobachtete den Steuermann, wie dieser das Steuerrad mittels eines Bolzens von unten arretierte, damit das Ruder auf gerade aus stand und der Kurs des Schiffes gehalten werden konnte. Colt war so begeistert, dass er noch auf dem Schiff ein Modell aus Holz schnitzte. Mit diesem Modell lies Colt von einem Waffenschmied Namens Patterson den ersten Prototypen bauen.

Die US Armee jedoch war nicht sehr an dieser neuen Waffenart interessiert. Colt konnte jedoch um 1837 einen Trupp von Texas Rangern damit ausrüsten. Rund 18 Ranger erhielten jeweils zwei Patterson Modelle. Es kam zu einem Gefecht gegen rund 80 Schwarzfuß Indianer, aus welchem die Texas Ranger, dank der Revolver, siegreich hervorgingen.

Nun wurde auch die Armee aufmerksam und bestellte das erste Kontingent. Im Mexikanisch-Amerikanischen Krieg von 1846 bis 1848 wurde der Revolver verstärkt eingesetzt. In dieser Zeit wurde von Colt das Dragoner Modell von 1847 entwickelt und von den US Streitkräften eingesetzt.

Nun war der Siegeszug für den Revolver besiegelt.

Langsam aber sicher stieg die Nachfragen an diesen Waffen und einige andere Firmen begann Perkussionsrevolver herzustellen. Auch in Europa gab es viele Waffenschmieden die Revolver nach dem Perkussionsprinzip herstellten. Einige Wichtige waren u. a. Adams, Tranter und Webley & Scott – alle drei aus England, Nagant aus Belgien oder Rast & Gasser aus Österreich

Der amerikanische Markt wurde lange Zeit von Colt angeführt obwohl vor allem die englischen Modelle von Webley & Scott sowie Adams eine starke Konkurrenz waren. Erst der Sezessionskrieg kurbele die Produktion weiter an. Vor allem die Südstaaten mussten verstärkt auf Import Waren zurückgreifen, da die größten amerikanischen Firmen alle im Norden angesiedelt waren. Auch wurden eigene Modelle entworfen die entweder Kopien von Colt Modellen waren oder z. B. der LeMat Revolver aus New Orleans, welcher eine Eigenerfindung eines Waffenschmiedes war.

Colt hingegen konnte seine Produktion ankurbeln und entwarf einige Modelle für die US Armee (Army Model 1863) und die Marine (Navy Model 1858) Auch andere Firmen wie z. B. Remington mit seinem New Model Army konnte hier Fuß fassen.

Nach Ende des Bürgekriegs und mit Erfindung der Metall Patrone, war der Perkussionsrevolver ein Ausläufer. Viele dieser Waffen wurden vom Besitzer oder darauf spezialisierten Schmiden auf Hinterlader Waffen umgebaut.

Weiterentwicklung

Nach Einführung der industriell gefertigten Patronen entwickelte sich der Revolver bis zu seinem heutigen Status weiter – Siehe Revolver

Perkussionsrevolver Heute

Heute bedienen sich Perkussionsrevolver einer sehr großen Beliebtheit bei Sammlern und Westernfans. Vor allem das Schießen mit einer solchen Waffe ist ein Erlebnis. Das Schwarzpulver, der Gestank und die Ladeprozedur macht es für Hobbyschützen sehr interessant. Daher gibt es zwei führende Italienische Waffenfirmen, die eine Palette an den wichtigsten Perkussionsrevolver Modellen aus jener Zeit als Nachbau anbieten.