Gasdruckverzögerter Masseverschluss

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Entwicklungsgeschichte

Die Gasdruckverriegelung wurde bereits 1944 unter Leitung des damaligen Chefkonstrukteurs Barnitzke bei den ehemaligen „Gustloff-Werken“ in Suhl entwickelt. Es fand Verwendung im „Gustloff“ Volksgewehr 1-5, welches in aller Eile - speziell für den Volkssturm an der Ostfront - entwickelt worden war. Wie auch der Gasdrucklader Sturmgewehr 44 – ein konstruktiv aber anders funktionierendes System - verwendete es ebenso die „Polte“-Kurzpatrone 7,92 x 33. Das VG 1-5 war eine genial einfach konstruierte, für Einzel- und Dauerfeuer eingerichtete Handwaffe, welche dann ab Anfang 1945 noch produziert werden konnte. Auf Grund der äußerst kritischen Logistik- und Materialversorgungslage kamen aber bis Kriegsende nur noch wenige dieser Maschinenkarabiner in den Volkssturmverbänden zum Einsatz.

Systembeschreibung

Beim Schuss wird beim gasdruckverzögerten Masseverschluss ein kleiner Teil der Treibladungsgase durch zwei, ca. in Laufmitte eingebrachte Bohrungen abgezweigt und in eine Reaktionskammer geleitet. Diese Kammer wird aus dem Zwischenraum Lauf / Verschlussgehäuse gebildet und kommt daher ohne ein zusätzliches Piston aus. Sie besteht aus einer vorn am Verschluss (Schlitten) angeordneten, gasdicht abschließenden Verschlusskappe mit nachgelagertem Laufbund und einer fest auf dem Lauf, auch ca. mittig aufgesetzten Labyrinthdichtung. Nachdem das Projektil die Bohrungen passiert hat, strömt ein kleiner Teil der Treibgase in die Reaktionskammer und hindert hiermit über den entstehenden Schwalldruck „pneumatisch“ das Öffnen des mechanisch unverriegelten Masseverschlusses. Die für diese Gasdruckverriegelung notwendige Angriffsfläche für den notwendigen Schwalldruck wird vom vorderen Teil der Verschlusskappe gebildet. Diese innere Fläche ist funktionsbedingt etwas kleiner ausgelegt als der Hülsenquerschnitt am Stoßboden der Patrone. Die Verschlusskappe - mit dem Verschluss fest verbunden mittels Bajonettverbindung - hält diesen geschlossen, bis das Projektil die Laufmündung passiert hat. Danach sinkt im inneren des Laufes der Treibladungsdruck schlagartig ab; durch die Laufbohrungen kann nun der innerhalb der Reaktionskammer aufgebaute Innendruck in den Lauf entweichen. Impulsbedingt beginnt nun der Verschluss sich zu öffnen und pumpt während des Rücklaufes die entspannten Schwalldruckgase aus der Reaktionskammer in den Lauf. Gleichzeitig entweicht auch bei der beginnenden Verschlussöffnung ein Teil der Gase über die freigewordene Labyrinthdichtung durch den sich ergebenden Spalt zwischen Laufwandung und Verschlusskappe.

Die Gasdruckhöhe in dieser „Gasbremse“ bestimmt automatisch die Rücklaufverzögerung und in Folge dessen den Verriegelungsgrad des Verschlusses: Ein hoher Gasdruck bewirkt eine starke Verriegelung, ein mittlerer eine mittlere und schwacher eine schwache Verriegelung. Analog zur Laborierung verhält sich die Verriegelungssteifigkeit des Systems, was es ermöglicht, die verschiedensten Laborierungen störungsfrei zu verschießen. Nach unten hin findet die Laborierung jedoch durch die Verschlussfederkraft (bzw. Federkonstante) ihre Grenze. Der interne Pumpvorgang während des Verschlussrücklaufes bewirkt zusätzlich eine Rückstoßdämpfung, welche hiermit auch das Drehmoment im Handgelenk und den Hochschlag stark abschwächen.

Weiterentwicklung

Ende der 1960er Jahre griff man in Österreich bei Steyr-Daimler-Puch dieses Barnitzke-Verschlusssystem wieder auf und begann mit einer Anschlussentwicklung. Diese mündete direkt in die Entwicklung der Selbstladepistole Steyr Pi 18 bzw. Steyr GB. Die abschließende Patentschrift vom 6. Dezember 1972 des Steyr-Konstrukteurs Hannes Kepplinger lehnt sich an das Barnitzke-System an, wobei dieses konstruktiv hierbei noch wesentlich verbessert wurde.

Bilder

http://en.wikipedia.org/wiki/Volkssturmgewehr_1-5