Explosionsdenkfehler

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Der Explosionsdenkfehler ist ein bei Laien häufig auftretender Denkfehler. Ihm zugrunde liegt die Vorstellung, dass es in der Patronenhülse nicht zu einer kontrollierten Verbrennung mit parabelförmig verlaufender Druckkurve kommt, sondern sofort zu einer hälftigen Explosion.

Sobald das Treibmittel entzünden wird, kommt es zu einer Verbrennung des Schießpulvers bei dieser Verbrennung entstehen heiße und hoch komprimierte Gase, die so genannten Pulvergase. Diesen Prozess nennt man in der Waffenfachsprache Umsetzung, da sich das in festem Aggregatzustand befindliche Pulver in Gase im gasförmigen Aggregatzustand umsetzt. Diese Umsetzung erfolgt über einen längeren Zeitraum, an waffentechnischen Maßstäben gemessen und folgt der sogenannten Piezo-Gasdruckkurve, welche langsam ansteigt und dann noch langsamer wieder fällt und dann abrupt abreißt, wenn das Geschoss der Lauf verlässt. Das Geschoss wird vom Gasdruck im Lauf, ähnlich wie ein Kolben in einem Zylinder, durch den Lauf geschoben.

Beim Explosionsdenkfehler wird diese langsame Verbrennung durch eine abrupte Explosion ersetzt. Die Treibladung setzt sich angeblich bei Zündung schlagartig in eine Explosion um, welche das Geschoss aus dem Lauf schleudert. Die Pulvergase werden in diesem Denkmodell lediglich als unerwünschtes Abfallprodukt angesehen. Aus diesem Grund fällt es Leuten, welche diesem Denkfehler erliegen, recht schwer kraftschlüssige per Stoßbodenkraft betriebene Systeme von formschlüssigen impulsbetriebenen Systemen zu unterscheiden.

Ein weiteres Element des Explosionsdenkfehlers sind die chemischen Eigenschaften von Nitrocellulose, wobei es sich faktisch um einen Sprengstoff handelt. Dies veranlasst Laien schon mal dazu, an eine Explosion in der Patronenhülse zu glauben. Was dabei jedoch übersehen wird, ist das Nitrocellulosetreibmittel grob gekörnt ist. Feines Nitropulver, wie es in einigen Granaten verwendet wird, würde wirklich zu einer heftigen Explosion führen, da sofort sehr viel Nitrocellulose gleichzeitig in Gas umwandeln werden würde. Nitrocellulose in Feuerwaffenpatronen ist jedoch grob gekörnt, liegt also in großen Klumpen vor. Diese Klumpen verbrennen langsam von außen nach innen, es wird also am Ende zwar die gleiche Menge Gas freigesetzt wie bei gleicher Menge feinen Pulvers, jedoch gescheit dies über einen längeren Zeitraum. Die Klumpenform reduziert die Masse der gleichzeitig brennenden Nitrocellulosemoleküle erheblich und sorgt für einen länger anhaltenden Druck auf den Patronenboden, ohne die Waffe zu sprengen.

Meist tritt dieser Denkfehler on Komorbidität mit der Falschverortung der Rückstoßkraft auf.

Quellen

  • Handfeuerwaffen Band I von Jaroslav Lugs erschienen bei Militärverlag der DDR (VEB)
  • Die Ausstellung der Wehrtechnischen Studiensammlung Teil 1 Band 2 Die Selbstlade- und automatischen Handfeuerwaffen von Dieter Heinrich erschienen bei Verlag E.S. Mittler & Sohn
  • Verschlusssysteme von Feuerwaffen von Peter Dannecker erschienen bei dwj Verlags GmbH
  • Arbeiten zu Studium und Praxis im Bundesgrenzschutz: Waffenlehre - Grundlage der Systemlehre von Wolfgang Pietzner erschienen bei Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung