Kaliber (Patrone)

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Für Patronen wird umgangssprachlich ebenfalls ein Kaliber angegeben. Allerdings bezeichnet das Kaliber in diesem Fall mehr als den Geschossdurchmesser: Hinzu kommen hier noch weitere Angaben, die auf den Entwickler, die Hülsenlänge, -art, die Energie oder auch auf die Anwendung hinweisen. Es gibt mehrere Sytematiken der Kaliber-, oder besser, Patronenmunitionsbezeichnung.

Die älteste Systematik ist die Schwarzpulverbezeichnung. Sie entstand in Nordamerika (USA) direkt im Anschluss an die Einführung der Patronenmunition. In der Bezeichnung werden Geschossdurchmesser in Hundertstel Zoll und die Lademenge von Schwarzpulver in grains angegeben. Beispiele:

  45-70,  44-40, 38-55, 45-60

Einige dieser Patronen sind noch heute gebräuchlich, allerdings wird jetzt das Treibladungsmittel Nitrocellulose statt Schwarzpulver verwendet. In der Schwarzpulversystematik fehlt die Unterscheidung zwischen Randfeuerzündung und Zentralfeuerzündung sowie Angaben über den Rand. (mit Ausziehrand für Revolver/Einzelladerwaffen und Randlose Patronen für Selbstladewaffen)

Die amerikanische Systematik entwickelte sich aus dem amerikanischen Zivilmarkt nach der Einführung von Nitro-Pulver als Treibladungsmittel. Die Patronenbezeichnung setzt sich aus dem Geschosskaliber und der Herstellerbezeichnung zusammen. Dabei war es üblich, für Kurzwaffen-Patronen zweistellige Angaben zu machen:

   .45 ACP (Automatic Colt Pistol), .45 GAP (Glock Automatic Pistol), .45 (Long) Colt, .40 S&W

Langwaffenmunition erhält üblicherweise dreistellige Bezeichnungen:

   .223 Rem(ington), .308 Win(chester), .416 Rigby, .375 Holland & Holland, .450 Marlin

Anmerkungen: Modernere Patronen haben fast alle dreistellige Bezeichnungen, die zweistelligen Hundertstel-Bezeichnungen sind mehrfach vergeben.

Die europäische Systematik bezeichnet Patronenmunition über Geschossdurchmesser und Hülsenlänge in Millimetern. Die Randausführung wird mit einem angehängten R gekennzeichnet, manchmal werden noch Zusatz-Informationen angehängt:

   9x19 (Luger/Parabellum), 7,62x25 (Tokarev), 8x57 (IS), 7,62x54R, 6,5x55 (Schwedisch)

Alle Systematiken werden regelmäßig durchbrochen oder irreführend benutzt. .50BMG ist eine Langwaffenpatrone ebenso wie .30 Blaser, .454 Casull eine Kurzwaffenpatrone und das Kaliber von .38 Special beträgt eigentlich "nur" .357 Zoll. 30-06 ist eine Nitropatrone aus dem Jahr 1906 und .357/45 ist eine auf 9mm eingezogene .45 ACP. Zusätzlich gibt es Mehrfachbezeichnungen von zivilen Normungsstellen (CIP in Europa und SAAMI in Nordamerika) zur militärischen Bezeichnung der NATO:

 zivil                       Militär
* .223 Rem         entspr.   5,56x45 Nato
* .308 Win         entspr.   7,62x51 Nato
* 9 mm Para/Luger  entspr.   9x19 Nato
* .380 Auto/ACP    entspr.   9 mm kurz

Für die Umrechnung zwischen imperialen System (Zoll) und metrischem System (SI)gilt diese Tabelle:

 (SI:mm)           Zoll  
4,5           =  .17
5,6           =  .22
6,35 - 6,60   =  .25
7,62 - 7,65   =  .30
7,65 - 8,10   =  .32 (.338)
9,0  - 9,60   =  .38 (.357)
11,50         =  .45
12,3          =  .50